Bedeutung, Aussprache, Synonyme, Beispiele

wüst

Adjektiv[vyːst]wüstTop 15.000 · Aufbauwortschatz
Kurz erklärt

wüst (Adjektiv) bedeutet: weder besiedelt noch landwirtschaftlich genutzt (und zumeist auch nicht nutzbar). Häufige Synonyme sind wild, platt, dreist.

Bedeutung als Adjektiv

  1. weder besiedelt noch landwirtschaftlich genutzt (und zumeist auch nicht nutzbar)
  2. jegliche Ordnung und Pflege vermissen lassend
  3. konfus, verworren und nicht leicht zu durchschauen, zu verstehen; in hohem Grade unklar
  4. (abw.) jede Selbstbeherrschung vermissen lassend, durch nichts gehemmt, sehr ausgelassen; nicht zivilisiert
  5. (abw.) in höchst ungebührlicher Weise grob und ungehobelt; (im Benehmen, Umgang mit anderen) keine Rücksicht nehmend und kein Mit- und Taktgefühl zeigend; über das moralisch Erlaubte hinausgehend
  6. (abw.) forsch und Gefahren missachtend
  7. (abw.) durch seine Art, sein Ausmaß oder dergleichen sehr schlimm
  8. (abw.) Abscheu, Widerwillen hervorrufend; in einem sehr schlechten, stark mitgenommenen Zustand; eine Kränkung darstellend oder zufügend

Beispielsätze

  • Früher nannte man eine unbewohnte Insel auch eine wüste Insel.
  • „Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“
  • „Unsere Hofstelle aber lag wüst bis zum Winter, als wir wegen der Kälte die armselige Bretterbude verlassen mußten.“
  • „Es gab kein Land, das weit genug, kein Meer, das groß genug und kein Gebirge, das wüst genug gewesen wäre, um einen flüchtigen Verbannten vor der Wut und Gerechtigkeit Roms zu schützen.“
  • „Es ist wüstes Gelände, öd und trägt nichts, im Krieg aufgewühlt und verbrannt; auch mit Schutthaufen.“
  • bildlich: „Mein Kopf ist immer wüst. Ich kann von heut auf morgen nichts behalten.“

Bedeutung als Adverb

  1. (Bedva., ugs., sonst, besonders, Namibia, ugs.) in (ungewöhnlich) hohem Grade, Maße

Beispielsätze

  • „Pier Luigi mit einem Bocksfell umhüllt und auf einem wüst großen Bocke reitend kommt, den Vater zu ehren, ihm entgegen.“
  • „Die Bauherren und Architekten haben sich wüst geirrt.“
  • „Das verwirrt zum Jahreswechsel wüst, weil wir ständig aufgefordert werden, keine Zeit zu , so dass wir angeblich und endlich auch zum Erfolg gelangen sollen. Aber zu gleicher Zeit sollen wir alles langsamer machen.“
  • „Bisher hat das noch keine Schießerei gegeben, obwohl die in dieser Woche Tränengas bei den wüst Taxis eingesetzt hat.“
  • „Den ersten Behördengang hat der Eine oder Andere schon hinter sich. Aber es kommen noch mehr. Jetzt hängt das wüst davon ab, ob Du von der oder vom müden Beamten nach langer Schlange am Schalter von was willst.“
  • „Unsere an der Bahnhofstraße, so schräg gegenüber der verkohlten Turnhalle, hat da ein wüst großes Grundstück.“

Synonyme für wüst

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Gegenteil

[1–4] kultiviertblühendadrett, ordentlich, saubergesittet, sittsamangenehm, freundlich

Steigerung

Positivwüst
Komparativwüster
Superlativwüstesten

Redewendungen und typische Verbindungen

  • adverbiell: wüst und leer
  • eine wüste Einöde, Gegend, Landschaft; ein wüstes Gelände; wüst fallen (zur Wüstung werden)
  • ein wüster Berg Schutt; ein wüster Bart; ein wüstes Durcheinander, Zimmer; eine wüste Unordnung; wüstes Haar
  • adverbiell: etwas sieht wüst aus

Herkunft

Das Adjektiv geht über die mittelhochdeutschen Formen ' und ' ‚öde, einsam, verlassen, leer, unschön, hässlich‘ auf das seit dem 8. Jahrhundert (um 800) bezeugte althochdeutsche ' ‚öde, unbebaut, leer‘ zurück. Diese Formen lassen sich vergleichen mit altsächsischem , mittelniederdeutschem , mittelniederländischem / , niederländischem , altfriesischem ' und altenglischem . Allen genannten Formen liegt ein nur für das Westgermanische angenommenes (erschlossenes) Adjektiv *wōsti- ‚unbebaut, leer, öde, unschön‘ zugrunde. Außergermanisch entsprechen diesem lateinisches ' ‚öde, wüst, leer, plump, roh, ungeschlacht‘ sowie altirisches ' ‚leer, wüst‘ (vergleiche auch altirisches ' ‚Wüste‘). Die weitere Herkunft ist unklar; vielleicht kann es über ein (erschlossenes) indoeuropäisches to-Partizip *u̯āsto- ‚öde‘ an die unter Wahnwitz dargestellte (erschlossene) indoeuropäische Wurzel *eu-, *euə-, *u̯ā- ‚mangeln; leer‘ angeschlossen werden. Die 6. Bedeutung ist ab 1870 zunächst soldatensprachlich bezeugt.

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Quellen: Bedeutungen, Lautschrift, Beispiele und Flexion nach Wiktionary (CC BY-SA 3.0, bearbeitet), Synonyme nach OpenThesaurus (LGPL), Häufigkeit nach wordfreq. Aussprache über die Sprachausgabe deines Geräts. Fehler melden über die Kontaktseite.