Bedeutung, Aussprache, Synonyme, Beispiele

Getto

Substantiv[ˈɡɛto]Get · toSeltenes Wort · Rang 26.366
Kurz erklärt

Getto (Substantiv) bedeutet: historisch: von der jüdischen Bevölkerung (anfänglich freiwillig, später zwangsweise) bewohntes, von den übrigen Stadtvierteln (durch Mauern oder Ähnliches) abgetrenntes Viertel. Häufige Synonyme sind Ghetto, Bronx, Slum.

Bedeutung

  1. historisch: von der jüdischen Bevölkerung (anfänglich freiwillig, später zwangsweise) bewohntes, von den übrigen Stadtvierteln (durch Mauern oder Ähnliches) abgetrenntes Viertel
  2. früher, besonders in der Zeit des Nationalsozialismus: (militärisch streng bewachtes) isoliertes Stadtviertel, in dem die jüdische Bevölkerung gezwungenermaßen abgesondert von der übrigen Stadtbevölkerung (in unmenschlichen Lebensverhältnissen) leben musste
  3. zumeist abwertend: von diskriminierten Minderheiten, Ausländern oder auch privilegierten Bevölkerungsgruppen bewohnter Bezirk beziehungsweise Viertel einer Stadt
  4. bestimmte (soziale, wirtschaftliche oder dergleichen) mentale oder psychische Sphäre, der sich jemand nicht entziehen kann

Beispielsätze

  • „Ich sage die Auffindung, denn die Juden, die dasselbe aus dem großen Brande des zweiten Tempels gerettet, und es im Exile gleichsam wie ein portatives Vaterland mit sich herumschleppten, das ganze Mittelalter hindurch, sie hielten diesen Schatz sorgsam verborgen in ihrem Getto, wo die deutschen Gelehrten, Vorgänger und Beginner der Reformation, hinschlichen um Hebräisch zu lernen, um den Schlüssel zu der Truhe zu gewinnen, welche den Schatz barg.“
  • „Überall die Schranken des Gettos, die noch lange nicht beseitigt sind in unseren Tagen, und die um so drückender und erniedrigender wirken, weil sie nicht mehr als eine weithin sichtbare Mauer, sondern mehr wie eine gläserne Wand Mensch von Menschen, Rasse von Rasse scheiden.“
  • „Die These von der Autorschaft Goethes kann sich sowohl auf sein durch die Jugendschriften bezeugtes intensives Interesse am Studium des Alten Testaments und des Hebräischen als auch auf die gut belegten Kontakte mit dem Frankfurter Judentum und dem im Getto gesprochenen Jiddisch stützen, das sich zum Teil mit dem Frankfurter Lokaldialekt vermischt hatte.“
  • „Hier stehen Ludwig Börne und Heinrich Heine, zwei Juden, die Protagonisten des ‚Jungen Deutschland‘, wir schreiben das Jahr 1827, Börne macht den Stadtführer und zeigt dem Besucher nach dem Palais Thurn und Taxis - dem Sitz des Bundestags - den Römer und schließlich die Judengasse, das Frankfurter Getto, das erst sechzehn Jahre zuvor mehr schlecht als recht aufgelöst worden war.“
  • „Wenig später ergibt sich daraus eine längere Tätigkeit: Der das Getto verwaltende ‚Judenrat‘ ernennt ihn zum Chef des ‚Übersetzungs- und Korrespondenzbüros‘. Von November 1940 bis Februar 1943 lebt Reich-Ranicki im Getto.“
  • „Im Oktober wurde das alte Judenviertel zum Getto deklariert und ca. 45.000 Juden auf engstem Raum zusammengepfercht.“

Synonyme für Getto

GhettoBronxSlumFavelaArmenviertelElendsviertelGecekonduMarginalsiedlungPennerbezirkBidonvilleJudenquartier, Judenviertel

Alle Synonyme und Bedeutungsnuancen →

Deklination

Nominativ Singular 1Getto
Nominativ Singular 2Getto
Nominativ Plural 1Gettos
Nominativ Plural 2Getti
Genitiv Singular 1Gettos
Genitiv Singular 2Gettos
Genitiv Plural 1Gettos
Genitiv Plural 2Getti
Dativ Singular 1Getto
Dativ Singular 2Getto
Dativ Plural 1Gettos
Dativ Plural 2Getti
Akkusativ Singular 1Getto
Akkusativ Singular 2Getto
Akkusativ Plural 1Gettos
Akkusativ Plural 2Getti

Wortfeld

Oberbegriffe

[1–3] Stadtviertel, Viertel, WohnviertelBereich, Bezirk, Rahmen, Sphäre

Unterbegriffe

[1–3] Judengettoalle in der Liste der Gettos in der Zeit des Nationalsozialismus aufgeführtenShanghaier GettoArmengetto, Farbigengetto, Gastarbeitergetto, Intellektuellen-Getto, Intelligenz-Getto, Schwarzengetto

Redewendungen und typische Verbindungen

  • [1–4] im Getto leben
  • [1–3] in Gettos zernieren
  • römisches Getto, venezianisches Getto
  • die Gettos der Schwarzen; ein Getto der Alten, ein Getto der Homosexuellen, ein Getto der Reichen

Herkunft

Eine seit der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, zunächst in Berichten über Italien, das ursprünglich das Judenviertel in Venedig (seit dem 16. Jahrhundert) bezeichnete. auf dem Gelände einer Gießerei (Geto Nuovo „die neue Gießerei“, als einschlägige Bezeichnung schon 1531) beschränkt, und wo sie getrennt von ihren christlichen Mitbürgern lebte.) betrieben wurden, ist ein Zusammenhang mit italienisch ' „(Metalle) in Formen gießen“ möglich. sowie von italienisch , dem Diminutiv von ' „(Vorstadt-)Viertel“, herzuleiten.

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Quellen: Bedeutungen, Lautschrift, Beispiele und Flexion nach Wiktionary (CC BY-SA 3.0, bearbeitet), Synonyme nach OpenThesaurus (LGPL), Häufigkeit nach wordfreq. Aussprache über die Sprachausgabe deines Geräts. Fehler melden über die Kontaktseite.