Getto
Getto (Substantiv) bedeutet: historisch: von der jüdischen Bevölkerung (anfänglich freiwillig, später zwangsweise) bewohntes, von den übrigen Stadtvierteln (durch Mauern oder Ähnliches) abgetrenntes Viertel. Häufige Synonyme sind Ghetto, Bronx, Slum.
Bedeutung
- historisch: von der jüdischen Bevölkerung (anfänglich freiwillig, später zwangsweise) bewohntes, von den übrigen Stadtvierteln (durch Mauern oder Ähnliches) abgetrenntes Viertel
- früher, besonders in der Zeit des Nationalsozialismus: (militärisch streng bewachtes) isoliertes Stadtviertel, in dem die jüdische Bevölkerung gezwungenermaßen abgesondert von der übrigen Stadtbevölkerung (in unmenschlichen Lebensverhältnissen) leben musste
- zumeist abwertend: von diskriminierten Minderheiten, Ausländern oder auch privilegierten Bevölkerungsgruppen bewohnter Bezirk beziehungsweise Viertel einer Stadt
- bestimmte (soziale, wirtschaftliche oder dergleichen) mentale oder psychische Sphäre, der sich jemand nicht entziehen kann
Beispielsätze
- „Ich sage die Auffindung, denn die Juden, die dasselbe aus dem großen Brande des zweiten Tempels gerettet, und es im Exile gleichsam wie ein portatives Vaterland mit sich herumschleppten, das ganze Mittelalter hindurch, sie hielten diesen Schatz sorgsam verborgen in ihrem Getto, wo die deutschen Gelehrten, Vorgänger und Beginner der Reformation, hinschlichen um Hebräisch zu lernen, um den Schlüssel zu der Truhe zu gewinnen, welche den Schatz barg.“
- „Überall die Schranken des Gettos, die noch lange nicht beseitigt sind in unseren Tagen, und die um so drückender und erniedrigender wirken, weil sie nicht mehr als eine weithin sichtbare Mauer, sondern mehr wie eine gläserne Wand Mensch von Menschen, Rasse von Rasse scheiden.“
- „Die These von der Autorschaft Goethes kann sich sowohl auf sein durch die Jugendschriften bezeugtes intensives Interesse am Studium des Alten Testaments und des Hebräischen als auch auf die gut belegten Kontakte mit dem Frankfurter Judentum und dem im Getto gesprochenen Jiddisch stützen, das sich zum Teil mit dem Frankfurter Lokaldialekt vermischt hatte.“
- „Hier stehen Ludwig Börne und Heinrich Heine, zwei Juden, die Protagonisten des ‚Jungen Deutschland‘, wir schreiben das Jahr 1827, Börne macht den Stadtführer und zeigt dem Besucher nach dem Palais Thurn und Taxis - dem Sitz des Bundestags - den Römer und schließlich die Judengasse, das Frankfurter Getto, das erst sechzehn Jahre zuvor mehr schlecht als recht aufgelöst worden war.“
- „Wenig später ergibt sich daraus eine längere Tätigkeit: Der das Getto verwaltende ‚Judenrat‘ ernennt ihn zum Chef des ‚Übersetzungs- und Korrespondenzbüros‘. Von November 1940 bis Februar 1943 lebt Reich-Ranicki im Getto.“
- „Im Oktober wurde das alte Judenviertel zum Getto deklariert und ca. 45.000 Juden auf engstem Raum zusammengepfercht.“
Synonyme für Getto
Deklination
| Nominativ Singular 1 | Getto |
|---|---|
| Nominativ Singular 2 | Getto |
| Nominativ Plural 1 | Gettos |
| Nominativ Plural 2 | Getti |
| Genitiv Singular 1 | Gettos |
| Genitiv Singular 2 | Gettos |
| Genitiv Plural 1 | Gettos |
| Genitiv Plural 2 | Getti |
| Dativ Singular 1 | Getto |
| Dativ Singular 2 | Getto |
| Dativ Plural 1 | Gettos |
| Dativ Plural 2 | Getti |
| Akkusativ Singular 1 | Getto |
| Akkusativ Singular 2 | Getto |
| Akkusativ Plural 1 | Gettos |
| Akkusativ Plural 2 | Getti |
Wortfeld
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Redewendungen und typische Verbindungen
- [1–4] im Getto leben
- [1–3] in Gettos zernieren
- römisches Getto, venezianisches Getto
- die Gettos der Schwarzen; ein Getto der Alten, ein Getto der Homosexuellen, ein Getto der Reichen
Herkunft
Eine seit der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, zunächst in Berichten über Italien, das ursprünglich das Judenviertel in Venedig (seit dem 16. Jahrhundert) bezeichnete. auf dem Gelände einer Gießerei (Geto Nuovo „die neue Gießerei“, als einschlägige Bezeichnung schon 1531) beschränkt, und wo sie getrennt von ihren christlichen Mitbürgern lebte.) betrieben wurden, ist ein Zusammenhang mit italienisch ' „(Metalle) in Formen gießen“ möglich. sowie von italienisch , dem Diminutiv von ' „(Vorstadt-)Viertel“, herzuleiten.
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