Deutsche Aussprache: Die sieben häufigsten Stolpersteine und wie du sie übst

Die deutsche Aussprache ist regelmäßiger als ihr Ruf. Die meisten Schwierigkeiten konzentrieren sich auf wenige Laute und eine Betonungsregel. Hier sind die sieben, die in zehn Jahren Unterricht am häufigsten aufgetaucht sind, jeweils mit einer Übung, die funktioniert.

Tipp: Jedes Wort im Wörterbuch hat einen Anhören-Button und einen Nachsprechen-Modus, der prüft, ob dein Browser das Wort erkennt. Übe mit den verlinkten Einträgen direkt hier.

1. Ich-Laut und Ach-Laut

Das ch hat zwei Klänge. Nach hellen Vokalen (i, e, ä, ö, ü) und nach Konsonanten spricht man den weichen Ich-Laut [ç] wie in ich, Milch. Nach dunklen Vokalen (a, o, u, au) den Ach-Laut [x] wie in Bach, Buch. Übung: Sag lange „j“ und nimm die Stimme weg, übrig bleibt der Ich-Laut.

2. Die Umlaute ü und ö

Das ü ist ein i mit gerundeten Lippen, das ö ein e mit gerundeten Lippen. Übung: Sag „i“, halte die Zunge still und forme die Lippen wie zum Pfeifen. Vergleiche Tür und Tier, schön und schon.

3. Lange und kurze Vokale

Doppelkonsonant nach dem Vokal heißt kurz (Bett, kommen), Dehnungs-h, Doppelvokal oder ie heißt lang (Bahn, Boot, Liebe). Die Länge unterscheidet Bedeutungen: Staat gegen Stadt, Ofen gegen offen.

4. Das r

Im Standarddeutschen ist das r ein Zäpfchen-Laut [ʁ], am Wortende und nach langem Vokal wird es zu einem a-ähnlichen Vokal: Vater klingt wie „Fata“, hier wie „hia“. Wer jedes r rollt, klingt nach Bühne oder Süddeutschland, beides ist verständlich, aber auffällig.

5. Auslautverhärtung

b, d, g werden am Wortende zu p, t, k: Hund klingt wie „Hunt“, Tag wie „Tak“. Lernende, die hier weich bleiben, klingen englisch. Übung: Wortpaare Rad und Rat sprechen, beide klingen gleich.

6. Die Wortbetonung

Deutsche Wörter betonen in der Regel die erste Stammsilbe: ˈAr-beit, ˈLeh-rer. Untrennbare Präfixe (be-, ge-, er-, ver-, zer-, ent-, emp-) sind unbetont: ver-ˈste-hen. Trennbare Präfixe dagegen tragen die Betonung: ˈan-kom-men. In der Lautschrift auf jeder Wortseite zeigt das Zeichen ˈ die betonte Silbe.

7. Das Schwa

Unbetontes e am Wortende und in Endungen ist ein schwaches [ə], kein klares „e“: bitte, Sonne, Lehrer. Wer es voll ausspricht, klingt überdeutlich. Übung: Lies bitte so schnell, dass das Ende fast verschwindet.

Ein Übungsplan für zwei Wochen

Jeden Tag fünf Wörter aus dem Wort des Tages oder aus dieser Liste: anhören, Silbe für Silbe nachsprechen, im Ganzen nachsprechen, prüfen lassen. Zehn Minuten genügen. Nach zwei Wochen sind die Muster automatisiert, und genau das ist Aussprache: Motorik, nicht Wissen.

Lena Hartwig

Lena Hartwig hat Germanistische Linguistik und Phonetik in Leipzig studiert und zehn Jahre lang Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, zuletzt an einer Hochschule in Hamburg. Bei Wörterbuch.net verantwortet sie Aussprache, Lautschrift, Silbentrennung und die Qualität der Beispielsätze. Ihr Spezialgebiet: Warum Muttersprachler Wörter anders betonen, als es das Lehrbuch sagt.

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